Wespen (Vespinae)

Tierportraits
Gemeine Wespe
(Paravespula vulgaris)
Bis 23 mm lang. Nistet in Erdhöhlen und hohlen Baumstümpfen. Jagt Insekten und Spinnen.
Sächsische Wespe
(Dolichovespula saxonica)
10–16 mm lang. Nistet in Baumhöhlen, zwischen Mauern und Hausdächern, auf Dachböden und in Garagen und Gartenhäuschen unter Dachbalken. Jagt kleine Insekten und Spinnen im Flug.
Deutsche Wespe
(Paravespula germanica)
10–20 mm lang. Nistet in Maulwurfs- und Mauselöchern. Jagt kleine Insekten und Spinnen im Flug.
Hornisse
(Vespa crabro)
20–35 mm lang. Nistet in Baumhöhlen und Gebäuden unter Dachbalken. Jagt Insekten bis Bienengröße.
Für alle diese Wespenarten gilt dieselbe Fortpflanzungsweise: Nur die Jungkönigin überwintert, und zwar nicht im Nest, sondern in morschem Holz, unter Rinde oder Moos oder in Mauerritzen. Zuerst sucht sie Blütennektar, dann einen Niststandort. Dort befestigt sie an der Decke zunächst mit der Öffnung nach unten eine sechseckige Zelle und ergänzt sie zu einem Teller bzw. Stockwerk von 5–10 Zellen. Die daraus schlüpfenden Arbeiterinnen (unfruchtbaren Weibchen) setzen das Werk mit weiteren Stockwerken nach unten fort. Im Herbst entstehen in den unteren Etagen größere Zellen; aus den darin abgelegten befruchteten Eiern schlüpfen Jungköniginnen, aus den unbefruchteten Drohnen (Männchen), die ebenso wie die Arbeiterinnen bald zugrunde gehen.

Arten
Wespenarten gibt es sehr, sehr viele, und die allermeisten leben einzeln (als Solitärwespen). Gut bekannt sind dem Laien aber nur die wenigen Arten, die in Staaten leben und ihm lästig werden. Drei Arten lassen sich nur bei genauem Hinsehen unterscheiden: die Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris) , die Deutsche Wespe (Paravespula germanica) und die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica), die ihre Nester gerne am und im Haus baut und relativ harmlos ist. Mehr dem Namen nach als durch wirkliche Begegnungen ist den meisten Leuten die größte Wespenart bekannt: die Hornisse (Vespa crabro), die zwar auffällig groß (bis 35 mm), aber auch nicht besonders aggressiv ist. Ihr Stich braucht nicht mehr gefürchtet zu werden als der der anderen Wespenarten.

Unterschiede Wespen–Bienen
Die staatenbildenden Wespen sollen im Unterschied zu den staatenbildenden Bienen (der Honigbiene und auch den Hummeln) portraitiert werden:

Aussehen: Dem Laien fallen die staatenbildenden Wespen in allererster Linie durch ihren kaum behaarten schwarz-gelb gestreiften Körper auf, eine Warnfärbung, die häufig von anderen Insekten imitiert wird ("Mimikry"), um sich so vor Freßfeinden zu schützen. Außerdem zeichnen sie sich durch ihre sprichwörtliche "Wespentaille" aus und besitzen sie keinen Saugrüssel und keine Sammelbeinchen. Wespen werden also äußerlich leicht von den dickeren und deutlich behaarten Bienen (Honigbienen, Solitärbienen und Hummeln) unterschieden.

Nahrung: Wespen jagen in erster Linie andere Insekten und machen sich somit im menschlichen Sinne "nützlich"; Bienen sammeln Honig und Nektar. Wespen speichern ihre Nahrung nicht, Bienen tun dies – auch zum Vorteil des Menschen.
Als Kind hatte sich der Autor einmal aus Holzplatten und engmaschigem "Kaninchendraht" ein "Insektarium" gebaut und dieses mit allerlei gefangenen Schmetterlingen bevölkert. (Daß dieses nicht im Sinne des Naturschutzes ist, braucht nicht betont zu werden.) Die Falter waren noch nicht lange in ihrem Käfig, als plötzlich Wespen auftauchten, durch den Maschendraht flogen, die Schmetterlinge erbeuteten, sich mit ihnen durch die Drahtmaschen zwängten und mit ihrer Beute davonflogen. Diese einfache Mahlzeit wollten sie sich nicht entgehen lassen. In der Natur sind allerdings eher Fliegen und Mücken die animalischen Nahrungsquellen, hinzu kommen Nektar und süßes Obst.

Lebensweise bzw. Fortpflanzung: Sie gleicht der unserer staatenbildenden Bienen: Eine befruchtete Wespenkönigin kommt im Frühjahr aus ihrem Winterquartier, sucht einen Niststandort, baut die erste Etage ihres Nestes, legt die ersten Eier und zieht die ersten Arbeiterinnen auf. Sobald diese den weiteren Nestbau, die Nahrungssuche und Fütterung der weiteren Larven übernommen haben, legt die Königin bis zu ihrem Tode nur noch Eier, bis der Staat im Spätsommer bis zu 4000 Köpfe zählt. Aus einigen der letzten Eier schlüpfen schließlich Jungköniginnen, die sich nur in dafür vorgesehenen größeren Waben entwickeln, und aus unbefruchteten Eiern die Drohnen, die die jungen Königinnen begatten. Wenn die Altkönigin keine Eier mehr legt, machen sich die nun unbeschäftigten Arbeiterinnen auf die Suche nach "Süßspeise" – und werden dem Menschen lästig. Die ersten Fröste bringen ihnen den Tod, während die neuen Königinnen längst winterschlafen.

Nestbau: Wespen bauen ihre Nester aus Zellulose, d. h. zerkautem Altholz, das grauem Umweltpapier ähnelt. Honigbienen bauen bekanntlich aus Wachs. Ein Wespennest wird an der Decke einer Erd- oder Baumhöhlung aufgehängt und nach unten gebaut, die Waben hängen nebeneinander, ihre Öffnungen zeigen nach unten. Die Waben der Honigbiene hingegen liegen übereinander mit seitlichen Öffnungen, Hummelwaben liegen zwar auch nebeneinander, ihre Öffnungen zeigen allerdings nach oben.

Literatur:
  • Chinery, Michael: Pareys Buch der Insekten – Ein Feldführer der europäischen Insekten. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin.
  • Donovan, B.J: "Problems caused by immigrant German and Common Wasps in New Zealand, and attempts at biological control" in: Bee World 73 (2); 131 ff.
  • Hintermeier, Helmut u. Margit (1984): Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag, München.
  • C.-P. Hutter (1992): Schützt die Hornissen. Thienemann-Verlag, Stuttgart.
  • Reichholf-Riehm, Dr. Helgard (1984): Insekten mit Anhang Spinnentiere. Mosaik Verlag, München.
  • Witt, Rolf (1998): Wespen beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg.

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