4. Natürliche Fütterung: Der Naturgarten

Auf die auch für unsere Vogelwelt verheerenden Eingriffe des Menschen in die Natur und die Vernichtung ihrer Nahrungsquellen wurde schon hingewiesen [14]. Die herkömmliche Winterfütterung kann solche Verluste nur im bescheidenen Rahmen ausgleichen und ist zudem aus gutem Grunde umstritten: Letztlich stellt sie selbst einen Eingriff in die Natur dar, deren Folgen – z. B. für die natürliche Selektion oder die Behauptung einer ökologischen Nische – die ökologische Wissenschaft noch nicht mit letzter Sicherheit beurteilen kann. Völlig problemlos – weil natürlich – ist hingegen eine andere Art der Vogelernährung, die derjenige praktiziert, der unserer Vogelwelt einen Teil ihres natürlichen Lebensraumes zurückgibt: den Naturgarten.

Die Gesamtfläche unser Gärten übertrifft die Gesamtfläche unserer Naturschutzgebiete bei weitem, was ein großes Potential für den Natur- und Vogelschutz bedeutet. Zwar sind Naturschutzgebiete, wie der Name sagt, natürlicher, wilder und aufgrund ihrer Größe an sich besser im Sinne des Biotop- und Artenschutzes (Genaustausch!) als die oft recht isolierten und kleinen Gärten, doch finden gerade Vögel aufgrund ihrer fliegenden Fortbewegung dort geeignete Habitate ('Wohngebiete') und Nahrung – sofern es sich um wirklich natürlich gestaltete Gärten handelt.
    Leider ist dies oft nicht der Fall, die "eleganten" Kompositionen aus Rasen und Rhododendron, Torf und Terrassen, Kies und Koniferen zeugen von einem tief gestörten Verhältnis des Menschen zur Natur: Ihre Anlage, Ausstattung und (chemische) Pflege verfolgen ja eindeutig das Ziel, den Garten möglichst deutlich von der (umgebenden) "Wildnis" zu unterscheiden und eventuell dem "kultivierten" Vorbild des Nachbarn anzupassen.

Nur noch ganz wenige Vogelarten finden hier ein vorübergehendes Domizil: Amsel, Haussperling, Grünfink, Kohl- und Blaumeise. Die meisten Arten weichen dem Mangel an einheimischen Futterpflanzen und -tieren, an Deckung und Brutmöglichkeiten aus und sind dem Städter oft schon nicht mehr bekannt.

Wer es ernst meint mit dem Natur- und Vogelschutz, wird die Natur in seinem Garten einziehen lassen und die Gemeinsamkeiten zwischen beiden betonen. Sein Ziel wird nicht die ästhetische und sehr subjektive "Ordnung" des Menschen sein, sondern die ökologische Ordnung der Natur. Er vermeidet also z.B.

Der Vogelfreund wird vielmehr die einheimischen Wildkräuter, Wildsträucher und Bäume auch als natürliche Vorsorge für den Winter bewußt fördern. Eine umfängliche Liste solcher Futterpflanzen findet sich bei SABEL [16].
Zu den "Einjährigen" gehören u.a. [19]: Krauser, Stumpfblättriger, Gemüse, und Rispen-Ampfer, Guter Heinrich, Weißer Gänsefuß, Spieß- und Rutenmelde, Gelber Steinklee, Gewöhnlicher Beifuß, Kohl-Kratzdistel und die Karde.

Zu den beerentragenden Sträuchern zählen z. B. die unter 2.3 genannten, aber auch viele andere Arten [19, 22].
Zu den Bäumen, die Vögeln Früchte (F) und/oder Insekten (I) bieten, gehören [19]: Bergahorn (F,I), Feldahorn (F,I), Rotbuche (F,I), Traubeneiche (F), Vogelkirsche (F), Eibe (F), Winterlinde (I), Bergulme (I) und Salweide (I). Insekten und andere Futtertiere finden sich auch im Fallaub, das Weichfresser im Winter gerne durchstöbern.

Natürlich dienen Sträucher, Bäume, Kletterpflanzen und selbst Wildkräuter Vögeln auch als Deckung und Brutstätten – gerade die vielen Freibrüter profitieren davon. Nähere Erläuterung hierzu geben z. B. BRÖKER [3] und SCHULZ-KÜHNEL [19]; viele weiteren Hinweise zur naturnahen Gestaltung eines Gartens findet der Interessierte in den zahlreichen Büchern, die heute zu diesem Thema auf dem Markt sind [z. B. 11]. Dabei ist unerheblich, ob man das Ergebnis seiner Bemühungen schließlich als Bio-, Natur- und Ökogarten bezeichnet, wichtig ist für den Vogelfreund, daß er seinen gefiederten Freunden nützt.

Wer über größere Landschaftsflächen verfügt oder im Naturschutz tätig ist, wird sich schließlich auch mit den so wichtigen Feldhecken [2], Biotopmanagment und anderen Themen befassen müssen. Ob man den Naturschutz aber nun im großen oder im kleine betreibt, das Ziel muß sein, spezielle Artenschutzmaßnahmen wie die künstliche Winterfütterung eines Tages überflüssig zu machen.


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