Umweltschutz: Borreliose und FSME

  Zecke

Vor Zecken haben wir Menschen mit Recht Angst: Sie saugen Blut und können Krankheiten übertragen. Detailkenntnisse haben viele mögliche Opfer aber nicht.

Mit "Zecke" bezeichnet man den Gemeinen Holzbock, eine 2,5–4,5 mm große Milbenart. Er lauert zu allen Jahreszeiten auf geeignete Wirte, sofern es mindestens 7° Celsius warm ist – also auch in warmen Wintermonaten. Auch die erwachsenen Tiere sind kaum sichtbar; sie krabbeln von der Vegetation auch auf den Menschen, wenn dieser sich in der Natur aufhält, durch Wiesen und Gebüsch wandert oder dort arbeitet. Dabei bietet lange Kleidung keinen wirksamen Schutz, da Zecken geduldig freie Hautstellen suchen, um zu beißen.

Nach einem längeren Aufenthalt in der Natur – wenn möglich auch schon währenddessen – sollte man sich im eigenen Interesse genau inspizieren bzw. inspizieren lassen. Hat man eine Zecke entdeckt, ist schnelles Handeln ratsam: Um eine Borreliose-Infektion zu vermeiden, sollte man die Zecke sofort mit einer Pinzette herausziehen oder mit einer Zeckenzange aus der Haut drehen und anschließend den Arzt aufsuchen. Eine FSME-Infektion hingegen läßt sich nur vermeiden, wenn die Zecke gar nicht erst beißen kann, da der Virus mit dem Biß sofort übertragen wird. Andere durch Zecken verursachte Infektionen sind selten.

Der Holzbock benötigt für seine Fortpflanzung drei Entwicklungsstadien:

  1. Die aus den Eiern geschlüpften fast durchsichtigen Larven haben erst sechs (der später acht) Beine. Sie suchen nagetiergroße Wirt für ihre erste Blutmalzeit. Nach dieser folgt die erste Winterpause.
  2. Die Nymphe ist das zweite Entwicklungsstadium, in dem sich auch das vierte Beinpaar bildet. Nymphen sind zudem deutlich größer als Larven. Nachdem sie einen Wirt gefunden, gehen sie erneut in die Winterpause.
  3. Nach der letzten Winterpause erreicht der Holzbock als erwachsenes (adultes) Tier sein letztes Stadium, in dem er wieder einen Wirt sucht, um sich anschließend zu paaren.

Zur Erkennung eines möglichen Wirts besitzt der Gemeine Holzbock im untersten Segment des vordersten Beinpaares das Haller-Organ. Mit diesen Chemorezeptoren registriert der Holzbock Spuren, die ein Wirt hinterlassen hat: Stoffe, die bei der Atmung ausgestoßen werden (Kohlendioxid etc.), Ammoniak, das im Urin vorkommt, Butter- und Milchsäure, die beim Schwitzen abgesondert werden.

Wenn der Holzbock einen Wirt erreicht hat, sucht er eine geeignete Stelle: Dort muß die Haut für seine Mundwerkzeuge dünn genug sein und das Mikroklima warm und feucht. Deshalb sind beim Menschen die Leisten sowie die Kniekehlen und auch die Rückseiten der Ohren sehr geschätzt. Zum Blutsaugen krallt sich die Zecke zunächst in der Haut fest, schneidet dann mit ihren Kieferklauen (Cheliceren) ein Loch in die Haut und führt ihren mit Widerhaken besetzten Saugapparat (Hypostom) ein. Der Holzbock ernährt sich allerdings nicht vom Blut aus den Kapillaren, sondern von der austretenden Lymphflüssigkeit, ein wenig Blut und auch von Gewebeflüssigkeit. Das vom Hypostom abgegebene Sekret enthält einen Gerinnungshemmer, ein Betäubungsmittel, das den Saugvorgang tarnt, und einen Entzündungshemmer.

Hier eine Übersicht über die Begriffe und Abkürzungen, die im Zusammenhang mit Zecken verwendet werden:

Babesiose
Infektionskrankheit, die durch Babesien (kleine intrazelluläre Parasiten) hervorgerufen wird und der Malaria ähnelt; sie wird durch Zeckenstiche übertragen.
Borreliose
Die Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit ist eine durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufene Infektionskrankheit. Borrelien können jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen. Übertragen werden sie vor allem durch den Holzbock, sehr selten auch durch Stechmücken oder Pferdebremsen. Einm Infektion ist – anders als bei der FSME – in ganz Deutschland und auch in Städten möglich. Für die Übertragung der Borrelien benötigt eine Zecke allerdings einige Zeit, weshalb es wichtig ist, sie nicht allzu lange saugen zu lassen.
Ehrlichiose bzw. HME
Die Humane Monozytäre Ehrlichiose (HME) ist eine Infektion durch Ehrlichia-Bakterien, die durch Zecken auch auf den Menschen übertragen werden kann.
FSME
Die Abkürzung FSME steht für 'Frühsommer-Meningoenzephalitis'. Die Symptome sind grippeähnlich (Fieber), nur ein Teil der Patienten erleidet eine Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten). Viele Patienten bleiben bei einer Infektion allerdings symptomfrei. Übertragen wird die Krankheit durch den Biß einer Zecke. Möglich ist nur die symptomatische Behandlung der FSME, als vorbeugende Maßnahme wir die Impfung empfohlen. Der direkte und indirekte Nachweis des FSME-Erregers ist meldepflichtig.
 
FSME-Virus
Das FSME-Virus ist der für Menschen gefährliche (humanpathogene) Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Seine Übertragung erfolgt nach einem Zeckenbiß relativ schnell.
 
Holzbock
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) gehört zur Familie der Schildzecken (Ixodidae), Ektoparasiten aus einer Unterordnung (Parasitiformes) der Milben (Acari). Die Größen des Holzbocks schwanken zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter, die Weibchen sind meist größer als die Männchen. Die Chitin-Haut (Cuticula) ist so dehnbar, daß die Weibchen eine große Menge Blut aufnehmen und bis zu 5000 Eier produzieren können.
 
Meningoenzephalitis
Entzündung der Gehirnhaut (Meninx encephali) bzw. des Gehirns (griechisch: enképhalon).
 
Rickettsiosen
Infektionen durch bestimmte Bakterien (Rickettsien), die durch Zecken und andere Milben, Flöhe und Läuse auch auf den Menschen übertragen werden können.
TBE
TBE ist die englische Abkürzung für 'tick-borne encephalitis', bedeutet also 'FSME'.
 
Wirt
Der "Wirt" einer Zecke ist der "Blutspender" – also der Warmblütler, wie eine Maus oder ein Mensch, der einen Parasiten mit Nahrung versorgt.
 
Zecke
Die Zecke ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).
 

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