2. Thermoregulation

Vögel halten wie Säugetiere einschließlich uns Menschen ihre Körpertemperatur annähernd konstant, sie sind »homöotherm« (gleichbleibend warm) und daher in der Lage, auch kalte Erdteile zu besiedeln. Mit 38–42° Celsius liegt ihre Körpertemperatur allerdings deutlich höher als bei Säugern und ist zudem starken Schwankungen unterworfen: Sie steigt z.B. beim Haussperling von ca. 39°C nachts auf über 42°C in der Tagesmitte an [2]. Der Körperkern ist dabei wärmer als die Außenbereiche und das Gehirn.

Da die Aufrechterhaltung solch hoher Temperaturen einen hohen Energieaufwand erfordert, fragt man sich unwillkürlich nach ihrem Sinn: Wäre eine Amsel oder Meise im Winter mit einer niedrigeren normalen Körpertemperatur nicht besser bedient? Theoretisch ja. Dieser Nachteil wird jedoch ausgeglichen: Einerseits können hohe Sommertemperaturen aufgrund der deutlich höheren Körpertemperatur besser verkraftet werden, und die zur Kühlung notwendige Wasserverdunstung hält sich in Grenzen [3]. Andererseits bewirkt das variable Federkleid der Vögel eine außerordentlich wirksame Kälteisolierung, die hier einmal am Beispiel einer ruhenden gesunden Amsel verdeutlicht werden soll: In der warmen Jahreszeit war der Vogel noch mit eng anliegendem, bei Hitze sogar lockerem (teilweise abgespreiztem) Gefieder zu beobachten, das einen guten Wärmetransport und sogar ungehinderten Amsel im Winter Luftaustausch ermöglichte; jetzt im Winter sitzt derselbe Vogel im Garten mit einem kugelrund aufgeplusterten Federkleid, das den Körper mit einem dicken, unbeweglichen Luftpolster umgibt [2]. Ohne dieses Polster sähe der Vogel aus wie ein kleines, mageres Brathähnchen. Die Kugelform des Gefieders ist keineswegs zufällig: Sie ist im Vergleich bekanntlich der Körper, der bei gleicher Masse die geringste Oberfläche hat; Luftaustausch und Wärmeverlust bleiben so sehr gering. Gerade für kleine Vögel ist dieses wichtig, da mit abnehmender Körpergröße die Oberfläche relativ (!) gesehen größer wird.

Ein besonderes Problem stellen die Beine dar, die zwar oft auch in dem aufgeplusterten Federball verschwinden, aber doch weniger gut isoliert sind als der Rumpf und den Kontakt mit einer kalten Unterlage (z. B. Schnee und Eis) aushalten müssen: Ein spezielles Wärmeaustausch-System sorgt dafür, daß das abwärtslaufende Blut seine Wärme rechtzeitig an das in den Körper zurückfließende Blut abgibt; Folge: Die Füße bleiben kühl, aber weiterhin durchblutet und damit gegen Erfrieren geschützt, und dem Körper geht weniger Wärme verloren [2,3].

Die Körpertemperatur kann auch durch das uns Menschen bekannte "Kältezittern" aufrechterhalten werden, und von Baumläufern, eigentlich typischen Einzelgängern, ist bekannt, daß sie sich zu Schlafgemeinschaften (Aggregationen) zusammenfinden und so bis zu 80% Energie einsparen [2]. Außerdem können Vögel Sonnenwärme "tanken", besonders durch ihre dunklen Gefiederpartien, die nur etwa 15% der eingestrahlten Sonnenenergie wieder abstrahlen [3]. Sollte allerdings bei – besonders nächtlichen – Temperaturtiefen trotz all dieser Maßnahmen nicht mehr genügend Energie für die normale Körpertemperatur zur Verfügung stehen, so können manche Vögel diese absinken lassen (Hypothermie) und in eine Starre (Torpidität) verfallen, die den Stoffwechsel und damit den Energieverbrauch erheblich reduziert.


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