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Insekten (Einleitung)
Ein artenreicher Stamm des Tierreichs sind die "Gliederfüßer" bzw. "Gelenkfüßer" (Arthropoda). Den wissenschaftlichen Namen kann man entschlüsseln, wenn man an Arthrose ('Gelenkverschleiß') und Podologie ('Fußheilkunde') denkt. Zu den Arthropoden gehören die:
- Insekten (Insecta), die ca. zwei Drittel aller Tierarten ausmachen und in drei Unterklassen unterteilt werden: die "Felsenspringer" (Archaeognatha) (Habitate: Spritzwasserzonen, Felsen, Moospolster etc.), die "Fischchen" (Zygentoma) (z. B. das Silberfischchen, Lepisma saccharina) und die "Fluginsekten" (Pterygota), zu denen die Fang- und Heuschrecken, Fliegen, Flöhe, Hautflügler (Ameisen, Bienen, Wespen etc.), Käfer, Libellen, Schmetterlinge und viele weitere Gruppen zählen;
- Tausendfüßer (Myriapoda): Arthropoden, deren Körper aus einer Kopfkapsel und einem langen gleichartig gegliederten Rumpf besteht. Man unterscheidet vier Gruppen: die (z. B. aus der Gartenerde bekannten walzenförmigen "Doppelffüßer" (Diplopoda), die räuberischen Hundertfüßer (Chilopoda), Wenigfüßer (Pauropoda) und die Zwergfüßer (Symphyla);
- Krebstiere bzw. Krebse (Crustacea): eine sehr vielgestaltige Gruppe, zu der u. a. gehören: die "Blattfußkrebse" (Phyllopoda) bzw. "Kiemenfußkrebse" (Branchiopoda), die "Höheren Krebse" (Malacostraca) und die "Muschelkrebse" (Ostracoda);
- Spinnentiere (Arachnida), zu denen viele Spinnen- und Skorpion-Ordnungen sowie die Milben zählen;
- ausgestorbenen Trilobiten, die auch Laien als Versteinerungen bekannt sind.
Das Wort Insekt ist lateinischen Ursprungs und bedeutet 'eingeschnitten', 'eingekerbt'. Das etwas angestaubte deutsch Wort Kerbtier bzw. Kerf ist folglich eine Übersetzung der wissenschaftlichen Bezeichnung. Diese wiederum ist eine Lehnübersetzung des griechischen Wortes εντομο / éntomo, das in der Bezeichnung Entomologie für 'Insektenkunde' enthalten ist.
Alle Insekten weisen ein Exoskelett auf, das sich in drei Abschnitte gliedert: den Kopf (Caput), den Brustkorb (Thorax) mit drei Beinpaaren sowie den Hinterleib (Abdomen):
- Am Kopf finden sich
- die Augen: zwei große Facetten- bzw. Komplexaugen (oculi compositi), außerdem bei vielen Arten drei Punktaugen (Ocellen) zur Hell-Dunkel-Wahrnehmung.
- die gegliederten Geißel-Antennen: "Fühler", die aus drei verschiedenen Gliedertypen bestehen: einem Basalglied bzw. Schaft (Scapus) mit Muskulatur, einem rundlichen Wendeglied (Pedicellus) mit dem Johnstonschen Organ, das Erschütterungen und Schall registriert, und einer "Geißel", die aus einer art- & geschlechtspezifsch unterschiedlichen Anzahl von Gliedern besteht und Sinneszellen zur Geruchswahrnehmung besitzt — sowie
- ein artspezifischer Apparat von Mundwerkzeugen aus paarigen Mandibeln ("Oberkiefer" zum Zerbeißen der Nahrung oder als Greifwerkzeug für den Transport oder – bei räuberischen Arten – Beutefang) und Maxillen ("Unterkiefer") sowie einem unpaarigen Labium (der aus einem 2. Maxillen-Paar entstandenen "Unterlippe").
- Der Brustkorb (Thorax) besteht aus drei Segmenten, die (von vorn nach hinten) als Prothorax, Mesothorax und Metathorax bezeichnet werden. Jedes Segment besitzt ein Paar Beine, die folglich als Vorderbeine, Mittel-und Hinterbeine bezeichnet werden. Ein Bein setzt sich, beginnend am Thorax, zusammen aus der "Hüfte" (Coxa), dem "Schenkelring" (Trochanter), dem "Oberschenkel" (Femur), der "Schiene" (Tibia) und dem "Fuß" (Tarsus), der aus einem bis fünf Tarsalgliedern besteht; das erste, oft vergrößerte Glied ist das "Fersenglied" (Metatarsus), das Endglied (Praetarsus) trägt meist zwei Krallen sowie weitere Anhänge.
Bei den geflügelten Insekten kommen zwei Flügelpaare hinzu, die am Mesothorax und Metathorax ansetzen. Bei einigen Insektenordnungen (Fliegen & Mücken, Fächerflügler) ist eines der beiden Flügelpaare reduziert und erfüllt eine andere Aufgabe.
- Der Hinterleib (Abdomen) besteht aus Segmenten und diese wiederum aus jeweils einer Rückenplatte (Tergit), einer Bauchplatte (Sternit) sowie Seitenplatten (Pleurae oder Pleurite). Die Abdominalsegmente besitzen keine echten Beine mehr, dafür aber abgewandelte Extremitäten wie die Cerci am letzten Segment und die Gonopoden (die Begattungsorgane der Männchen und den Legeapparat der Weibchen). Die Segmente sind durch dehnbare "Intersegmentalhäute" flexibel miteinander verbunden, und sie weisen Stigmata auf: die Öffnungen der Tracheen, eines Systems starrer verzweigter Röhren, durch welches Insekten passiv atmen.
Die Atmung ist durch die Diffusionsgeschwindigkeit des Sauerstoffs in den Tracheolen (feinen Kanälen) begrenzt, was die Größe heutiger Insekten auf ca. 30 cm beschränkt. Versteinerungen aus dem Karbon zeigen uns allerdings Riesenlibellen (Ordnung Meganisoptera) mit bis zu 72 cm Flügelspannweite. Nachdem für die späte Karbonzeit ein Sauerstoffgehalt von rund 45 Prozent über dem heutigen Niveau ermittelt worden war, vermuteten Paläontologen darin die Ursache für das Riesenwachstum. Die Tracheolen erreichen jedoch in der Flugmuskulatur nur Volumina von maximal 1%, was Anpassungen zur Deckung höherer Sauerstoff-Bedarfe bei Riesenarthropoden möglich und erwartbar macht. Die Sauerstoff-Hypothese gilt daher inzwischen als nicht mehr plausibel; vielleicht sind große Gliederfüßer irgendwann dem Selektionsdruck durch neue flugfähige Prädatoren erlegen: Flugsaurer und Vögel.
Lebensweisen
Insekten haben in ihrer ca. 400 Millionen Jahre langen Entwicklungszeit mit ihrer riesigen Artenzahl fast jede ökologische Nische besetzt:
- Etliche Arten – Balkenschröter, Totengräber etc. – sind an der Zersetzung organischen Materials beteiligt.
- Viele Arten ernähren sich von Teilen lebender Pflanzen: von den Wurzeln bis zu den Blättern und Blüten.
- Andere Arten sammeln Nektar zur Energieversorgung und Pollen für den Nachwuchs und erfüllen so eine wichtige Rolle bei der Pflanzenbestäubung.
- Eine weitere, parasitisch lebende Gruppe ernährt sich von Haaren, Schuppen, Blut, Gewebe etc. größerer Tiere.
- Staatenbildende Insektenarten haben sich mehrfach unabhängig voneinander und eine komplexe hierarchische Sozialstruktur entwickelt, die auch Laien bei Ameisen, Bienen und Wespen bekannt ist.
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