Künstliche Biotope   (Einleitung)

Ein »Biotop« ist ein Ort (gr. topos) des Lebens (gr. bios), ein Lebensraum. Ein Biotop ist also nicht einfach ein anderes, modisches Wort für 'Gartenteich', wie mancher Gartenbesitzer meint, vielmehr ist ein stehendes Gewässer nur eines von vielen Biotopen bzw. Biotoptypen auf dieser Erde.

Bekannt sind dem Laien vor allem die Oberbegriffe der Biotope: Meer, Watt, Binnengewässer, Wald, Steppe, Wüste etc., die sich aber in eine unendliche Vielzahl einzelner Biotope differenzieren, die die Habitate bzw. ökologischen Nischen der unendlichen Vielzahl der Lebensformen dieser Erde ausmachen. Seit sich der Mensch allerdings selbst zivilisiert und massenhaft vermehrt und vor allem seit er die Welt industrialisiert, werden ihre Biotope in atemberaubendem Tempo ausgelöscht und damit deren Tier- und Pflanzenarten: Die zu Götzen erhobenen Bedürfnisse der Konsumgesellschaft – Wohnen und Verkehr, industrielle und landwirtschaftliche Produktion – lassen vorübergehend eine Chance nur den Biotopen, die sich durch ihre abseitige Lage oder andere "negative" Standortfaktoren für eine menschliche Nutzung nicht lohnen.

Doch kann sich das Leben nicht nur in seinen primären Biotopen erhalten: Wo der Mensch wohnt und wirtschaftet, entstehen Sekundärbiotope, die für die Natur ein hohes Überlebenspotential darstellen, wenn sie nur in ihrem Sinne genutzt werden. Dies allerdings ist zu selten der Fall, da viele Menschen immer noch als Erbe aus der Vergangenheit ein Bild der Natur mit sich schleppen, das sie ihnen auch heute noch als bedrohlich, als feindlich erscheinen läßt. Typisch hierfür sind die Vorgärten: Selbst in den Randbezirken unserer Städte und Dörfer trifft man auf Häuser, die dort nicht etwa inmitten der üppigen Natur stehen – also dort, wo ihre priviligierten Besitzer sie ja eigentlich haben wollten; vielmehr sind die Gebäude nur allzu oft umgeben von Rasen, Blumen- und Kiesbeeten und Jägerzäunen. Die Natur "muß draußen bleiben", man hat das Bedürfnis, sich von ihr abzugrenzen. Nicht wenige Menschen reagieren geradezu hysterisch auf heimische Pflanzen- und Tierarten in ihrer Umgebung: Vokabeln wie "Unkraut", "Wildwuchs", "verwildern", "wuchern" etc. sind sprechende Belege dafür.

Wer die Natur allerdings mit anderen Augen sieht, kann ihr sein Eigentum in hohem Maße öffnen und einen Beitrag für ihr Überleben und sein Wohlbefinden leisten: Vom Dach, dem Balkon und der Hausfassade über die Blumenwiese bis zur Trockenmauer oder zum (keineswegs obligatorischen) Gartenweiher findet der Naturfreund kleine und größere Flächen auf seinem Besitz, die nur darauf warten, zu Lebensräumen erweckt zu werden.


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