Trockenmauer

In der heimischen Fauna sind es vor allem Eidechsen und viele Insektenarten, die an warme, trockene, steinige und wenig beschattete Bodenverhältnisse angepaßt sind. In der Flora sind es jene Kleinode, mit denen mancher Hobbygärtner seinen "Steingarten" bevölkert. Um diesen Tiere und Pflanzen auf einem naturnahen Gartengelände Lebensraum zu bieten, reicht schon ein mehrlagiger runder Steinhaufen, der sich etwas über das Niveau des umliegenden Erdreichs erhebt und somit ein trockeneres und vegetationsarmes Substrat mit vielen Versteckmöglichkeiten bietet.

Trockenmauer

Größer und auch dekorativer als Teil der Gartenarchitektur ist eine Trockenmauer, wie wir sie beonders in Mittelmeerländern noch häufig bewundern können: Kunstvoll geschichtete Steine stützen in Hanglagen kleine Terrassen, auf denen der Mensch seit Alters her Wein, Oliven, Bananen etc. anbaut, oder sie trennen Felder und brechen den Wind. Der Begriff der "Trockenmauer" ist vielleicht etwas irreführend, da er sich nicht von einer feuchten Mauer abgrenzen, sondern auf die Bauweise hindeuten soll: Die Steine werden hier nicht behauen und mit Mörtel ("naß") mit möglichst schmalen Fugen vermauert, sondern nach sorgfältiger Auswahl geschickt aufeinander geschichtet, ohne 1. die vielen Zwischen- und Hohlräume zu verschließen und 2. die Statik zu gefährden. Dazu ist einiges zu beachten:

Standort: Für sonnenhungrige Tier- und Pflanzenarten kommt natürlich nur eine unbeschattete Südlage in Frage – am besten an einem Hang. Der Boden darf nicht zu fett sein und Staunässe neigen, er sollte also eher mager und porös sein. In unmittelbarer Nähe eines großen Baumes stören dessen Wurzeln beim Mauerbau und können irgendwann auf die Steine drücken.

Typen: Zwei Funktionen sind denkbar: Eine freistehende Mauer, die z. B. den Gemüse- oder Ziergarten vom übrigen Grundstück trennen soll, muß besonders sorgfältig mit (möglichst behauenen) Bruchsteinen errichtet werden und ein besonders breites Fundament aus wenigstens drei nebeneinander liegenden Steinen haben. Eine Trockenmauer, die lediglich Niveauunterschiede ausgleichen, vielleicht eine Terrasse vor dem Haus abschließen soll, ist leichter zu bauen.

Statik: "Gewachsenes" Erdreich ist ziemlich stabil, angeschüttetes "arbeitet" noch, es senkt sich und drückt auf die Mauer. Daher gilt: Je jünger das Erdreich und je höher der zu stützende Hang, desto schräger und desto bereiter muß die Mauer an ihrer Basis sein.
    Die Steine sind wie bei einer Backsteinmauer versetzt anzuordnen, damit keine senkrecht verlaufenden Fugen die Statik gefährden. Sehr ungleichmäßig geformte Steine wackeln leicht; man sollte sie daher mit kleinen Steinen unterfüttern oder nach einem weiteren Stein fahnden, der z. B. eine Schräge ausgleicht.

Fundament: Gefrierendes Wasser dehnt sich bekanntlich aus und drückt auf Steine und Erdreich. Besonders Mauern, die stützende Funktion haben, brauchen daher ein sorgfältig verlegtes breites Fundament – hohe Mauern sogar ein betoniertes.
    Für das Fundament ist ein spatentiefer Graben auszustechen und ca. 3 cm tief mit Sand auszustreuen; in dieses "Bett" legt man dann mindestens eine Reihe ausgesuchter großer und auf beiden Seiten flacher Steine. Der Graben muß etwas breiter als die Steine sein, damit diese mit der ganzen Fläche aufliegen können und sich später unter dem Gewicht der auf ihnen ruhenden Steine nicht plötzlich senken.

Pflanzen: Neben den erwünschten, an sonnenexponierte, trockene Verhältnisse angepaßten Pflanzen könnten sich vor und über der Mauer auch andere, größere Pflanzen ansiedeln, die die Mauer zuwuchern und ein ganz anderes Mikroklima erzeugen. Man kann dem entgegenwirken, indem man in der Mauerkrone Sand in die Hohlräume zwischen den Steinen füllt und den Boden vor der Mauer mit Sand ausmagert.

Tiere: Eine kleine Eidechsenkolonie in der Trockenmauer ist natürlich der Wunsch jeden Naturfreundes – aber nicht überall kommen diese Reptilien vor. Daß man sich die Tiere nicht anderswo "besorgt" und dann im Garten aussetzt, versteht sich für einen Naturschützer von selbst. Außerdem wird er bald feststellen, daß auc viele andere Tiere für dieses Kleinbiotop dankbar sind: Tausendfüßler, Spinnen, Hummeln, Kröten etc.
    Leider werden wechselwarme Tiere wie Eidechsen besonders in den kühlen Morgen- und Abendstunden, wenn sie ihre optimale "Betriebstemperatur" noch nicht oder nicht mehr haben, leichte Beute von Hauskatzen. Mit einem groben Maschendraht über der Mauer lassen sich aber unnötige Verluste leicht verhüten.

Literatur:
Schreiber, L. [Hrsg.] (1993): Tiere auf Wohnungssuche. Ratgeber für mehr Natur am Haus. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.
Steinbach, Gunter [Hrsg.] (1988): Werkbuch Naturschutz. Franck'hsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.

Leitseite Tier und Natur Nach oben Weiher