Naturschutz-Glossar Botanik
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abiotisch
'unbelebt'; abiotische Umweltfaktoren sind die Boden-, Wasser- und Luftverhältnisse eines Biotops bzw. Habitats und das Klima dort.
 
Allogamie
Altgr.: 'Verschieden-Hochzeit': Fremdbestäubung als Geitonogamie (G) oder Xenogamie (X).
 
alpin
dem Hochgebirge entsprechende Höhenstufe
 
Angiospermae bzw. Magnoliopsida
'Bedecktsamer': Pflanzen, deren Samenanlagen – anders als bei den Nacktsamern (Gymnospermen, G) – 'bedeckt' bzw. in einem Fruchtknoten (Ovar) eingeschlossen sind. Die "Bedecktsamer" sind die "Blütenpflanzen" im engen Sinne mit den für die menschliche Ernährung wichtigsten Familien: Süßgräser, Hülsenfrüchtler, Nachtschattengewächse, Kürbisgewächse, Kreuzblütler, Doldenblütler.
 
annuell
lat. 'jährig' (vgl. Anno 1789): (Sommer)annuelle bzw. einjährige Pflanzen sind krautige Pflanzen, die von der Keimung ihres Samens über das komplette Wachstum einschließlich Blütenbildung und Befruchtung bis zur Reife des neuen Samens nur eine Vegetationsperiode (ein Jahr) benötigen und schließlich durch Frost oder Trockenheit absterben. Gegenteil:
    Zweijährige bzw. winterannuelle Pflanzen benötigen einen zwischenzeitlichen Kältereiz (Winter), um zur Blüte zu gelangen, und blühen daher erst im folgenden Frühjahr. Mehrjährige Pflanzen benötigen viele Jahre bis zur einmaligen Blütenbildung und Samenreife.
 
Anthere
Staubbeutel des Staubgefäßes bzw. Stamens (S) einer Blüte
 
Autogamie
Altgr.: 'Selbst-Hochzeit': Selbstbefruchtung als Form der sexuellen Fortpflanzung, bei der nur ein Elternteil vorhanden ist oder genetisch die Fortpflanzung bewirkt; Gegenteile: Allogamie, Xenogamie (X).
 
biotisch
'belebt'; biotische Umweltfaktoren gehen von Lebewesen aus.
 
Biozönose
′Lebensgemeinschaft′: Gemeinschaft verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die ähnliche Umweltbedingungen (dasselbe Biotop bzw. Habitat) benötigen und einseitig oder gegenseitig voneinander abhängen – vor allem ernährungsbiologisch (vom altgriechischen bios = 'Leben' und koinos = 'gemeinsam'). Manche biologen verwendet die Bezeichnung Zönose (Z).
 
Bulte
aus nassen Feuchtzonen (Uferzonen, Sümpfen) herauswachsende Horste, die meist aus Sauergräsern oder/und Moosen bestehen.
 
Cantharophilie
die Bestäubung von Blütenpflanzen durch Käfer
 
Diözie, Adjektiv: diözisch
'Zweihäusigkeit', Getrenntgeschlechtigkeit: weibliche Blüten auf weiblichen Individuen, männliche Blüten auf männlichen Pflanzenindividuen. Gegenteil: Monözie (M).
 
euryök
Euryöke Arten sind Biotopgeneralisten, sie tolerieren viele Umweltbedingungen und kommen daher in vielen Lebensräumen vor.
 
eutroph bzw. Eutrophie
′nährstoffreich′, Trophiestufe (T) 3: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf eutrophen Böden, andere nur auf oligotrophen, also nährstoffarmen.
 
Filament
Staubfaden des Staubgefäßes bzw. Stamens (S) einer Blüte; das Filament trägt die Staubbeutel bzw. Antheren (A), und in diesen befindet sich der Pollen (P).
 
Geitonogamie
'Nachbarbestäubung': Übertragung des Pollens zwischen Blüten derselben Pflanze. Gegenteile: Allogamie (A), Autogamie (A), Xenogamie (X)
 
Gymnospermae
Altgr.: 'nackte Samen': ursprüngliche Pflanzen, deren Samenanlagen – anders als bei den Bedecktsamern (Angiospermen, A) – nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen sind. Die Pollenkörner der Nacktsamer werden als Pollenstaub meist durch Wind auf die freiliegenden ("nackten") Samenanlagen übertragen. Die Gymnospermae waren im Jura mit hunderttausenden Arten die domninanten Pflanzen und eine wichtige Nahrung der Dinosaurier; heute sind die Koniferen die wichtigsten Nachfahren.
 
halophil
'salzliebend'
 
hypertroph bzw. Hypertrophie
'extrem nährstoffreich', auch: polytroph, Trophiestufe (T) 4: extreme Form der Eutrophie. Hypertrophe Gewässer weisen einen so hohen Nährstoff- bzw. Phosphorgehalt auf, daß der Sauerstoff im Sommer in den bodennahen Schichten weitgehend aufgebraucht wird.
 
Internodium; Plural: Internodien, Internodi
'Zwischenknoten': Teil einer Sprossachse bzw. Halmabschnitt zwischen zwei Knoten (Nodi bzw. Nodien). Bei den meisten Bambusarten wachsen die Internodien und Nodien in gleichmäßigen Abständen. Als Niststengel für Bienen sind nur die Internodien brauchbar.
 
Isotherme
'Gleiche Wärme'; Linie gleicher Temperatur in der Landschaft. Eine 10-Grad-Isotherme z. B. ist also eine Grenzlinie, an der im Jahresdurchschnitt 10° Celsius erreicht werden. Die Klimaerwärmung führt zur Verschiebung der Isothermen (und damit von Habitaten vieler Spezies) nach Norden.
 
Kolk
kleine offene Wasserfläche, im Sumpf: Moorauge; Bachkolke sind kleine schwach durchflossene (Still-) Wasserzonen in Ausbuchtungen des Bachbettes.
 
Magnoliopsida, auch: Angiospermae
'Bedecktsamer': Pflanzen, deren Samenanlagen – anders als bei den Nacktsamern (Gymnospermen, G) – 'bedeckt' bzw. in einem Fruchtknoten (Ovar) eingeschlossen sind. Die "Bedecktsamer" sind die "Blütenpflanzen" im engen Sinne mit den für die menschliche Ernährung wichtigsten Familien: Süßgräser, Hülsenfrüchtler, Nachtschattengewächse, Kürbisgewächse, Kreuzblütler, Doldenblütler.
 
mesophil
Mesophile Lebewesen kommen vorzugsweise in mittelfeuchten Klimaten bzw. Biotopen vor.
 
mesotroph bzw. Mesotrophie
'mittelmäßig nährstoffreich', Trophiestufe (T) 2 zwischen oligotroph bzw. Oligotrophie und eutroph bzw. Eutrophie.
 
Monözie, Adjektiv: monözisch
'Einhäusigkeit': die gleichzeitige Existenz weiblicher und männlicher Blüten auf demselben Pflanzenindividuum. Gegenteil: Diözie (D).
 
Nektar
ein Drüsensekret, das aus den Nektarien (in den Blüten oder an den Blattstielen) vieler Pflanzen ausgeschieden wird und neben Wasser verschiedene Zucker (Saccharose, Glucose und Fructose etc.) sowie Mineralstoffe und Duftstoffe enthält. Der energiereiche Nektar lockt Tiere an (Insekten, Vögel, Fledermäuse), die den Pollen dieser Pflanzen zu Blüten derselben Art transportieren. Aus Nektar (und auch aus Honigtau, dem Ausscheidungsprodukt etwa von Blattläusen) erzeugen Honigbienen Honig, indem sie durch körpereigene Enzyme den Saccharose-Anteil weiter in die Grundbausteine Glucose und Fructose aufspalten und den Wasseranteil verringern.
 
Nektardiebstahl
eine von der Pflanze nicht "beabsichtigte" Strategie des Nektarsammelns von Insekten (und daher natürlich nicht im juristischen oder moralischen Sinne zu verstehen), ohne mit den Antheren (A) bzw. dem Pollen der Pflanze in Kontakt zu kommen und diese oder artgleiche Pflanzen zu bestäuben. Nektardiebstahl erfolgt ohne Beschädigung der Blüte und ist leicht bei sehr kleinen Bienen in großen Blüten zu beobachten. Siehe auch Nektarraub.
 
Nektarium, Plural: Nektarien
ein Drüsengewebe, aus dem Pflanzen Nektar absondern. Je nach Position unterscheidet man zwei Typen: Florale Nektarien befinden sich innerhalb einer Blüte und dienen in der Regel der Anlockung blütenbestäubender Tiere; extraflorale Nektarien sind außerhalb von Blüten, etwa an Blattstielen oder auf Blättern, zu finden und haben mit der Bestäubung in der Regel nichts zu tun. Hinsichtlich ihrer Fortpflanzungsfunktion unterscheidet man nuptiale Nektarien, die der Anlockung und Bestäubung dienen, von extranuptialen Nektarien (ohne diese Funktion).
 
Nektarlose Pflanzen
Pflanzen, die zwar Pollen, aber keinen Nektar produzieren. Dies trifft zwar auch auf die drei in Mitteleuropa bekannten Ölblumen (O) zu, meist sind aber nur Pflanzen gemeint, die weder Öldrüsen (Elaiophoren) noch Nektarien besitzen, um Bestäuber anzulocken. Bekannt sind dem Autor Birke, Buche, Eibe, Eiche, Erle, Esche, Hainbuche, Hasel, Holunder, Kiefer, Pappel, Rose, Fichte/Tanne, Ulme, Wacholder, Brennnessel, Buschwindröschen, Dornige Hauhechel, Hahnenfuß, Hopfen, Johanniskraut, Mohn, Sonnenröschen, Waldrebe, Wegerich.
 
Nektarraub
eine von der besuchten Pflanze nicht "beabsichtigte" Strategie kurzrüsseliger Bienen, durch Gewaltanwendung und Beschädigung der Blüten an deren Nektar zu gelangen. Langkronige Blüten bieten ihren Nektar eigentlich nur langrüsseligen Bienen an; Bienen mit kurzem Rüssel können dort den Nektar nicht erreichen, kennen aber oft eine Abkürzung: Wenn sie kräftig genug sind, beißen sie die Blüten von außen über den Nektarien auf und eröffnen damit auch späteren Besuchern die Möglichkeit, direkt an den Nektar zu gelangen, also ohne mit den Antheren (A) bzw. dem Pollen in Kontakt zu kommen. Siehe auch Nektarddiebstahl.
 
Neophyten
'Neue Pflanzenarten': jene Arten, die seit der Entdeckung Amerikas (1492) eingeführt oder versehentlich eingeschleppt sind. Der Oberbegriff zu den Neophyten, Neomyceten (neue Pilzarten) und Neozoen (neue Tierarten) ist Neobiota.
 
nitrophil
'stickstoffliebend': Nitrophile Pflanzen bevorzugen nitrat- bzw. stickstoffreiche Biotope.
 
oligotroph bzw. Oligotrophie
'nährstoffarm' bzw. humusarm, Trophiestufe (T) 1: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf oligotrophen Böden, andere nur auf eutrophen, also nährstoffreichen.
 
phytophag
'pflanzenfressend': Phytophage Tiere ernähren sich von lebender Pflanzensubstanz.
 
Phytozönose, siehe auch Biozönose (B)
'Pflanzengemeinschaft': die für einen Standort spezifische Kombination von Pflanzenarten mit ähnlichen oder gleichen Ansprüchen an ihren Standort.
 
Pollen
Blütenstaub, eine mehlige Substanz in den Antheren (A); er besteht aus einer riesigen Menge von Pollenkörner, deren unterschiedliche Formen, Größen und Oberflächen die Identifizierung der (von einer Bienenart bevorzugten) Pflanzen ermöglichen. Pollenkörner besitzen nur einen einfachen Chromosomensatz und transportieren die männlichen Sporen (Gametophyten) geschützt zu den weiblichen Blütenorganen (Ovarium = Fruchtknoten, Stylus = Griffel, Stigma = Narbe). Pollen enthält u. a. Proteine, die z. B. Bienen als Larvennahrung dienen. Da Pflanzen den Pollen für ihre eigene Fortpflanzung produzieren, sind Bienen, Pollenwespen (Masarinae) und etliche Käferarten Pollendiebe.
 
remontant, remontierend
Französisch remontant = 'wieder aufsteigend', als botanischer Fachbegriff = 'remontierend', also 'später in der Saison noch einmal blühend'.
 
Remontierschnitt
Das radikale Zurückschneiden einer Pflanze nach der Blüte, um sie zu einem erneuten Austreiben und einer zweiten Blüte zu veranlassen. Die Verlängerung der Blühphase kommt zwar Blüten-besuchenden Insekten zugute, könnte jedoch die Frucht- und Samenbildung be- bzw. verhindern, wenn diese erst im beginnenden Winter stattfinden würde. Gemäß Gärtner-Websites eignen sich diese und andere Pflanzen für einen Remontierschnitt: Sommer-Salbei (Salvia nemorosa), Rittersporn (Delphinium spec.), Moschus-Malve (Malva moschata).
 
Segetalflora · Segetalfläche
Segetalpflanzen sind Ackerkrautgesellschaften, also jene Ackerwildkräuter, die aus dem Mittelmeerraum und südwestasiatischen Steppen stammen und seit der Jungsteinzeit in Mitteleuropa eingebürgert wurden. Die moderne intensive Landwirtschaft hat die Segetalflora stark zurückgedrängt; Segetalflächen, insbesondere Ackerrandstreifen, lassen sich nur noch durch spezielle Schutzprogramme erhalten.
 
Stamen, Plural: Stamina
Staubblatt bzw. Staubgefäß, also das Pollen-erzeugende Organ einer Blüte. Es besteht aus dem Staubfaden (Filament, F) und dem Staubbeutel (Anthere, A), der den Pollen enthält.
 
Sukzession
'Nachfolge'; in der Botanik das eine Landschaft prägende allmähliche Aufeinanderfolgen von Pflanzengesellschaften bzw. Vegetationsphasen: Grasphase – Staudenphase – Strauchphase – Baumphase. In großem Ausmaß fanden solche Entwicklungsreihen nach dem Rückzug der Gletscher am Ende der Eiszeiten statt: Auf eine Pioniervegetation von Flechten und Moosen und kurzlebigen Birken und Kiefern folgten über verschiedene Zwischenstadien schließlich je nach Standort z. B. beständige Buchen-, Eichen oder Mischwälder, die neue Lebensräume entstehen ließen.
 
Syntopie
gemeinsames Vorkommen mehrerer Arten in einem Areal bzw. Biotop (H: altgr.)
 
thermophil
'wärmeliebend': Thermophile Lebewesen sind auf warme Biotope angewiesen.
 
Weißfäule
Holzfäule durch den Befall durch Weißfäulepilze, vor allem Violetter Lederporling (Trichaptum abietinum), Schuppiger Porling (Polyporus squamosus), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Gemeiner Feuerschwamm (Phellinus igniarius) und Rauchgrauer Porling (Bjerkandera adusta). Anders als Braunfäulepilze bauen Weißfäulepilze vor allem das (braune) Lignin ab und verschonen die (helle) Cellulose. Weißfäule ist an der hellgrauen bis weißen Färbung des faserigen Totholzes erkennbar, das sich zwischen den Fingern nicht zu Pulver zerreiben läßt, sondern nur zu Spänen.
    Weißfäulepilze entwickelten sich vor ca. 300 Millionen Jahren und sind vermutlich die Ursache dafür, daß nach dem Karbon deutlich weniger Lignin bzw. Steinkohle abgelagert wurde als zuvor: Zu Kohle wurde ab dem Perm nur noch Pflanzenmaterial, das schneller unter Luftabschluß geriet, als es sich zersetzen konnte.
    Einige Bienenarten (etwa Anthophora furcata), die ihre Nistgänge in Totholz selbst graben, sind auf weißfaules Holz angewiesen; von Braunfäule (B) befallenes Holz verschmähen sie.
 
Wirt
Lebewesen, das einem anderen – etwa einem Brutparasiten (B) – als Nahrungsspender dient.
 
Xenogamie
'Fremdbestäubung': Übertragung des Pollens zwischen Blüten verschiedener Individuen derselben Pflanzenart. Gegenteile: Allogamie (A), Autogamie (A), Geitonogamie (G)
 
xerophil
'trockenheitliebend': Xerophile Lebewesen sind auf trockene Biotope angewiesen.
 
Zönose
′Gemeinschaft, Gesellschaft′: in der Biologie eine Gemeinschaft von Organismen. Bezogen auf einen Lebensraum (Biotop) spricht man meist von Biozönose (B).
 
 


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