Naturschutz-Glossar Genetik
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Lebewesen (Tiere und viele Pflanzen) besitzen in ihren Körperzellen typischerweise einen doppelten bzw. diploiden Chromosomensatz; die Chromosomensätze der Keimzellen (Eizellen und Spermien) hingegen sind nur einfach vorhanden bzw. haploid, da sie bei der Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium wieder zum doppelten Chromosomensatz einer diploiden Zelle (der Zygote) verschmelzen. Diese vermehren sich in der Regel durch Zellkernteilung (Mitose). Durch eine "Reduktionsteilung" (Meiose) entstehen in zwei Phasen aber auch wieder haploide Keimzellen, und dabei kommt es zur Mischung (Rekombination) mütterlicher und väterlicher Gene bzw. Allele.
 
A
Allel
Form bzw. Variante eines Gens (G), das sich an einem identischen Ort auf dem Chromosom (C) eines Chromosomensatzes (C) befindet. In einem Individuum bzw. in seiner Zelle können maximal zwei Allele vorkommen, in einer haploiden (H) Zelle nur eines; in einer Population bzw. im Genpool (G) einer (Tier-) Art kann es allerdings mehrere Allele geben.
 
Allopatrie, Eigenschaftswort: allopatrisch
Vorkommen genetisch verschiedener Populationen einer Art oder nahe verwandter Arten in getrennten geographischen Gebieten. Allopatrische Artbildung bezeichnet folglich die (übliche) Entstehung von Arten in räumlichen getrennten Populationen: Wenn z. B. die Gletscher einer Eiszeit Areale voneinander trennen, können aufgrund genetischer Isolation zunächst Unterarten entstehen und später Arten, deren Individuen nach dem Ende der Eiszeit nicht mehr untereinander fortpflanzungsfähig sind. Gegenteile: Parapatrie (P) und Sympatrie (S).
 
B
Basenpaar
zwei zueinander komplementääre Nukleobasen in der DNA (D) oder RNA (R). Die Anzahl der Basenpaare bestimmt die in einem Gen (G) gespeicherte Information.
 
C
Chromosom
Makromolekülkomplex, der Gene (DNA, also Erbinformationen) und Proteine enthält. In Säugetieren und einigen anderen Tiergruppen haben Weibchen zwei X-Chromosomen, Männchen hingegen ein X- und ein Y-Chromosom. bei Hautflüglern (Hymenmoptera) wie Bienen und Wespen sind die Weibchen diploid (D, mit doppeltem Chromosomensatz), die Männchen aber nur haploid (H, mit einfachem Chromosomensatz).
 
Chromosomensatz
die Gesamtheit aller Chromosomen einer Zelle. Ein doppelter Chromosomensatz liegt vor, wenn je zwei Chromosomen homolog (H) sind, also die gleichen Gene enthalten. Dies ist der Fall bei Lebewesen mit geschlechtlicher Fortpflanzung, wo ein Chromosom von der Mutter und eines vom Vater stammt.
 
COI-Gen
Das COI-Gen (Cytochrome c Oxidase 1) wird für die für die Gen-Identifikation in sogenannten Sequenzierrobotern benutzt. Es ist in allen Tierarten vorhanden, unterscheidet sich aber von Art zu Art. Mit 650 Basen-Bausteinen ist es sehr kurz und kann deshalb leicht und schnell entziffert werden.
 
D
diploid
In den Zellen ist in der Regel jedes Chromosom doppelt = diploid vorhanden, nämlich jeweils eines von der Mutter und eines vom Vater. Außer den Gameten (Geschlechtszellen), die immer hapoid sind, haben die meisten tierischen Zellen einen diploiden Chromosomensatz. Gegensatz: haploid (H).
 
DNA
englische Abkürzung für deoxyribonucleic acid = Desoxyribonukleinsäure, abgekürzt: DNS: ein in allen Lebewesen existentes Biomolekül und Träger der Erbinformation, also der Gene (G).
 
DNS
Desoxyribonukleinsäure, englisch: DNA: Träger der Erbinformation, also der Gene (G).
 
E
Erbsubstanz
siehe DNA bzw. DNS (D).
 
F
F1
die erste Generation
 
G
Gameten
Keim- bzw. Geschlechtszellen: haploide Zellen, die Organismen mit geschlechtlicher Fortpflanzung in ihren Keimdrüsen erzeugen. Die Verschmelzung von zwei Gameten ist die Gametogamie genannt.
 
Gametogamie
Verschmelzung von zwei Gameten (Befruchtung eines Eis durch ein Spermium). Das Verschmelzungsprodukt ist die Zygote (Z).
 
Gen
ein Abschnitt auf der DNA, der die Grundinformationen zur Herstellung einer biologisch aktiven RNA (Ribonukleinsäure, englisch: RNA = ribonucleic acid) enthält.
 
Generation
.
 
Genetik
Wissenschaft von der Entstehung der Lebewesen; im engeren Sinne: Vererbungslehre. (Von altgr. genesis = 'Erzeugung, Ursprung')
 
Genom
Erbgut
 
Genotyp(us)
Die erblichen (genetischen) Eigenschaften eines Lebewesens im Unterschied zu seinem Phänotyp(us) (P), also seinem äußeren Erscheinungsbild; Eigenschaftswort: genotypisch.
 
Genpool
Gesamtheit aller Genvariationen (Allele, A) einer Population bzw. Fortpflanzungsgemeinschaft.
 
H
haploid · Substantiv: Haploidie
Eine haploide Zelle besitzt im Gegensatz zur diploiden von jedem Chromosom nur ein Exemplar anstatt zwei. Ein normalerweise doppelter Chromosomensatz wird in der Meiose bei der Bildung der Gameten (Geschlechtszellen) auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert. Jedes Gen (G) liegt somit nur in einer Form bzw. Variante (Allel, A) vor. Gegensatz: diploid (D).
 
homolog · Substantiv: Homologie
'übereinstimmend': entweder in der vergleichenden Anatomie die Gleichheit von Organen (z. B. die fünffingrige Hand beim Menschen, Hund, Wal etc.) oder in der Genetik die Gleichheit zweier Chromosomen, also ihre Eigenschaft, am selben Ort die gleichen Gene (G) aufzuweisen. Homologie ist Voraussetzung für geschlechtliche Fortpflanzung.
 
Hybride
'Bastard': .
 
I
J
K
Keimbahn
die Abfolge von Zellen, die mit der befruchteten Eizelle (Zygote) beginnt und im Laufe der Individualentwicklung (Ontogenese) schließlich zur Bildung der Keimdrüsen und Keimzellen (Eizellen und Spermien) führt. Mutationen in der Keimbahn werden – anders als Mutationen der somatischen Zellen – die Nachkommen weitergegeben.
 
Klepton
'Das Gestohlene': Die Herpetologen Dubois & Günther bezeichneten 1982 mit Klepton einen ungewöhnlichen Hybrid mit drei Chromosomensätzen, nämlich den Teichfrosch (Rana esculenta). Diese triploiden Tiere tragen die vollständige Erbinformation einer der beiden Elternarten in sich, sie haben also einen Chromosomensatz quasi "gestohlen" – daher der Begriff aus dem Altgriechischen. Einige Taxonomen kennzeichnen ein Klepton durch die Abkürzung kl. zwischen dem wissenschaftlichen Gattungs- und dem Artnamen.
 
L
L
.
 
M
Meiose
Reduktionsteilung, Reifeteilung; Zellteilung diploider Körperzellen zur Erzeugung haploider Geschlechtszellen: Bei der Befruchtung verschmelzen die Kerne zweier Geschlechtszellen, was einen doppelten Chromosomensatz in den normalen Körperzellen ergibt. Spätestens bei der erneuten Bildung von Geschlechtszellen eines geschlechtsreifen Individuums muß dieser Chromosomenbestand durch die Meiose wieder halbiert werden.
    (Die Meiose dient auch der ungesteuerten Neuverteilung von Chromosomen, da eine Art nur durch viele verschiedene Kombinationen mütterlicher und väterlicher Chromosomen variable genug wird, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.)
 
Mendel
.
 
Mitose
Zellkernteilung.
 
N
N
.
 
O
o
.
 
P
Parapatrie, Eigenschaftswort: parapatrisch
'Neben-Vaterland': Vorkommen von Arten oder Unterarten in Verbreitungsgebieten, die aneinandergrenzen; vereinzelter Genaustausch ist also möglich, aber so selten, daß reproduktive Isolation schließlich zur Artbildung führt. Gegenteile: Allopatrie (A) und Sympatrie (S).
 
Parthenogenese
′Jungfernzeugung′: die Entstehung eines Lebewesens aus einem unbefruchteten Ei. Bei den Bienen entstehen in der Regel die Männchen (Drohnen) ungeschlechtlich.
    Etymologischer Hinweis: Der Begriff geht zurück auf das altgriechische parthenos = 'Jungfrau' und genesis = 'Geburt, Ursprung'; die 'Jungfrau' ist der Beiname der griechischen Göttin Athena Parthenos und namengebend für ihren Tempel, den berühmten Parthenon.
 
Phänotyp(us)
das äußere Erscheinungsbild eines Lebewesens im Unterschied zu seinem Genotyp(us) (G), also seinen erblichen (genetischen) Eigenschaften; Eigenschaftswort: phänotypisch.
 
Q
R
Rekombination
.
 
RNA
englische Abkürzung für ribonucleic acid = Ribonukleinsäure (RNS).
 
S
somatische Zelle
Körperzelle, deren genetische Information nicht an die folgende Generation des Lebewesen weitergegeben wird. Gegenteil: Geschlechtszelle (Gameten).
 
Sympatrie, Eigenschaftswort: sympatrisch
'Gemeinsames Vaterland': gemeinsames Vorkommen von Arten oder Unterarten im selben geographischen Gebiet, so daß Kreuzungen möglich sind. Sympatrische Artbildung ist folglich unwahrscheinlich und selten, aber möglich durch sexuelle Selektion (die Bevorzugung von Partnern mit bestimmten Merkmalen) oder das Besetzen unterschiedlicher ökologischer Nischen im selben Lebensraum. Gegenteile: Allopatrie (A) und Parapatrie (P).
 
T
triploid · Substantiv: Triploidie
Eigenschaft eines Lebewesens, drei (statt zwei) komplette haploide Chromosomensätze zu besitzen. Im Tierreich ist Triploidie eher selten, beim Menschen kommt sie manchmal als Gendefekt (Genommutation) vor und führt meist zum Tode.
 
U
U
.
 
V
W
W
.
 
X
x
.
 
Y
Z
Zygote
befruchtete Eizelle bzw. das Produkt der Verschmelzung (Gametogamie) von zwei Gameten (G).
 
 

Literatur:

Berndt, Rudolf und Wolfgang Winkel (1983): Öko-ornithologisches Glossarium = Eco-ornithological glossary: dt.–engl; engl.–dt. Duncker und Humboldt, Berlin.
Immelmann, Klaus (1982): Wörterbuch der Verhaltensforschung. Parey, Berlin, Hamburg.


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