Umweltschutz: Kohlendioxid (CO2)

20%
30%
40%

Kohlenstoffdioxid ist eines der "Klimagase", die die globale Erwärmung beschleunigen, und das Gas, über das am meisten gesprochen wird. Die Staaten der Erde versuchen mehr oder weniger ernsthaft, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, um eine Erderwärmung von mehr als 2° Celsius und ihre Folgen, vor allem den Anstieg des Meeresspiegels, zu verhindern. Während die deutsche Regierung 2009 eine Senkung der Co2-Emissionen um 40% proklamiert, versucht die globale Wirtschaft jedoch auch in Deutschland, die Rettung der Erde und ihrer Zivilisationen zu sabotieren.

Kohlenstoffdioxid (umgangssprachlich auch Kohlendioxid) ist ein farb- und geruchloses Gas und mit einem Anteil von ca. 0,04 % ein natürlicher Bestandteil der Luft. Chemisch ist es eine Verbindung von einem Teil Kohlenstoff mit zwei Teilen Sauerstoff und entsteht sowohl durch die vollständige Verbrennung kohlenstoffhaltigen (lebenden, toten und fossilen) Materials als auch durch Zellatmung. Die riesigen Kohlenstoffspeicher in tiefen Erdschichten, also Kohle und Erdöl, haben dem Kohlenstoffkreislauf viele Millionen Jahre lang CO2 entzogen; die Verbrennung dieser fossilen Energieträger hingegen steigert die CO2-Konzentration weltweit jährlich um circa 36 Milliarden Tonnen. Pflanzen, manche Bakterien und Archaeen hingegen können aus CO2 Biomasse herstellen.
    Kohlenstoffdioxid absorbiert einen Teil der Wärmestrahlung der Sonne (Infrarotstrahlung), während die kurzwelligere Strahlung (= der größte Teil der Sonnenstrahlung) die Erdoberfläche erreicht. Diese Eigenschaft macht Kohlenstoffdioxid nach Wasserdampf zum zweitwirksamsten "Treibhausgas". (Die Wirksamkeit von Methan und Ozon ist spezifisch viel höher, aber in der Menge niedriger.)

Vor dem Kopenhagener Klimaschutzgipfel im Dezember 2009 hatte sich die EU zunächst auf eine bescheidene 20%-Reduktion der CO2-Emission bis 2020 festgelegt, kündigte dann aber eine Erhöhung auf 30% an für den Fall, daß sich auch andere Staaten zu einem verbessertem Klimaschutz verpflichteten. Da der Gipfel ohne verpflichtende Vereinbarungen, also nur mit einer unverbindlichen Absichtserklärung endete, blieb es beim 20%-Ziel. Deutschland hingegen hatte sich vor dem Gipfel im Koalitionsvertrag auf bedingungslose 40% festgelegt.
    Dies stieß prompt auf die Kritik des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), deren Hauptgeschäftsführerin am 22.12.2009 im Handelsblatt forderte, die EU-Staaten müßten dem deutschen Beispiel folgen, "ansonsten läuft Deutschland Gefahr, sich aus dem globalen Wettbewerb auszugrenzen". Ein Festhalten an der 40%-Marke provoziert nach Meinung der Energiebranche (etwa des RWE) die Verlagerung energieintensiver Produktion ins Ausland, gefährdet also den Wirtschaftsstandort Deutschland. Deshalb dürfe es nur bedingte Reduzierungsziele geben: Klimaschutz nur, wenn alle mitmachen. Unklar ist Ende 2009, ob die EU bei ihren 20% bleibt oder aufstockt.

Der Kommentar des Handelsblatts auf der Titelseite, "Klimaschutz funktioniert nicht im Alleingang", unterstützt die eigennützige Position der Staaten, die den Kopenhagener Gipfel blockierten: "Ein Festhalten am isolierten deutschen Klimaziel würde die heimischen Energiepreise in die Höhe treiben und erhebliche Wettbewerbsnachtile für die nationale Wirtschaft mit sich bringen. Gerade Stahl und Metallverarbeitung sowie der ganze Bereich industrieller Vorprodukte hängen stark von Energiepreisen ab."

Interessanterweise kommt das beliebte Schlagwort der gefährdeten Arbeitsplätze weder im Leitartikel noch im Kommentar des 22.12.2009 vor, diese aber verfehlen ihre beabsichtigte Wirkung in der übrigen Presse nicht: Warum eigentlich sollen wir Deutsche Verzicht üben, wenn die großen Mitspieler auf dem Weltmarkt wie China und die USA die Rettung des Weltklimas verhindern? Wenn die Erde, wie wir sie jetzt kennen, ohnehin nicht zu retten ist, warum sollen wir dann jetzt den Musterknaben spielen? Nur um anschließend sagen zu können, wir hätten recht gehabt?

Diese Diskussion ist nicht die erste ihrer Art, es gibt sie um andere, auch ähnliche Probleme schon lange — und die Argumente gegen eine Lösung waren immer gleichermaßen pervers:

Was würde denn passieren, wenn ein Land wie Deutschland als einziges nennenswerte Schritte zum Schutz des Weltklimas gehen würde? Wie im Falle der Fischereiquoten und Fischbestände käme es nur zu einer geringen Entlastung der Atmosphäre, der CO2-Gehalt und der Meeresspiegel stiegen etwas weniger schnell an, die Katastrophe verzögerte sich etwas, etwas weniger Tierarten stürben aus (oder erst später), etwas weniger Menschen und Völker verlören in den Fluten Land und Leben.
    Solches Moralisieren wird von Wirtschaftslobbyisten in typischer Marketing-Denkweise konsequent beiseite geschoben: Geringe Effekte durch den Verzicht nur eines Landes seien zu vernachlässigen. Würde ein Industrieller einem Südseevolk oder nur einem einzelnen Menschen ins Gesicht sagen, sein Leben sei angesichts möglicher Nachteile für die deutsche Wirtschaft nicht so wichtig? Dürfen deutsche (und englische, amerikanische, chinesische etc.) Wirtschaftslenker und Politiker ethnische Säuberungen und Völkermord (nichts anders ist es!) in anderen Erdteilen in Kauf nehmen? Ist das nicht Terrorismus der kriminellsten Art – und seine Befürwortung Volksverhetzung?
    De facto ist die vorsätzlich verursachte Überflutung etwa einer Südseeinsel ebenso verbrecherisch wie ihre Bombadierung. Zur verbrecherischen Gesinnung westlicher (und nicht nur westlicher) Wirtschaftspolitik gehört die Arroganz, den möglichen Vorbild- bzw. Nachahmungseffekt einer 40%igen CO2-Reduktion ebenso auszublenden wie die Möglichkeit, auf umweltschädliche Produkte Strafzölle zu erheben oder ihren Import zu verbieten. Der globale Handel hat für die globale Wirtschaft immer noch Vorrang vor dem globalen Überleben.


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