Situation der Vögel in Europa

Die Vogelfauna Europas genießt rechtlich besonderen Schutz, seit am 2. April 1979 die Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG) in Kraft trat: der erste Rechtsakt der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Naturschutz. Anläßlich des 30. Geburtstages der Vogelschutzrichtlinie beleuchtete die Ausgabe 2009 von Vögel in Deutschland Nach außerhalb dieser Website, welche der Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V. alljährlich herausgibt, den Status unserer Vogelarten. Die ersten drei Absätze der Bilanz lassen nicht Gutes erahnen:

Bestände vieler Vogelarten nehmen weiter ab
+++ Bilanz zum 30-jährigen Bestehen der Europäischen Vogelschutzrichtlinie: Ziel „Schutz aller wildlebenden Vogelarten“ in Deutschland nicht erreicht +++ Situation hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert: Vögel der Agrarlandschaft und Bodenbrüter weisen starke Bestandsverluste auf +++ in den letzten 5 Jahren Bestandsabnahmen bei über 40 % der häufigen Brutvogelarten – Vorjahresbilanz: „nur“ 33 % +++
 
Mäßiger Erhaltungszustand bei Anhang I-Arten in Deutschland
+++ EU-weit eher positive Bestandsentwicklungen bei den besonders zu schützenden Vogelarten des Anhangs I der Richtlinie +++ ernüchternde Bilanz für Deutschland: knapp 50 % der Anhang I-Arten stehen auf der Roten Liste +++
 
Wandernde Arten: überwiegend gut geschützt
+++ Deutschland hat hohe internationale Verantwortung für viele wandernde Arten +++ Bedeutendste Rastgebiete für durchziehende und rastende Wasservögel sind geschützt +++ anhaltender Bestandsrückgang von Muscheln verzehrenden Arten im Wattenmeer +++ Handlungs- und Forschungsbedarf bei wandernden Arten mit Brutgebieten in der Arktis, insbesondere Zwergschwan und Waldsaatgans +++
Rote-Liste-KategorieArtenzahlProzent
260100%
0ausgestorben oder verschollen166%
1vom Aussterben bedroht3012%
2stark gefährdet249%
3gefährdet145%
Rextrem selten2610%
VVorwarnliste218%
*ungefährdet12950%

Besonders deutlich wird der Rückgang der Vögel in der industriellen Landwirtschaft – also dort, wo auch die gravierendsten Einbußen in den Insekten-Populationen festzustellen sind. Beides hängt natürlich zusammen: Viele Vogelarten sind ebenso wie viele Insektenarten auf reich strukturierte, kleinräumige, biozidfreie Landschaften angewiesen, die schonend bewirtschaftet, also nicht in Ackerland umgebrochen werden, um etwa für den lukrativen Anbau von Energiepflanzen (Mais) genutzt zu werden; und Insekten sind bekanntlich die Nahrungsquellen vieler Vogelarten. Opfer des Negativtrends sind vor allem Kiebitz und Uferschnepfe (zwei Bewohner von Feuchtwiesen) sowie Rotmilan, Feldlerche und Braunkehlchen. Vögel in Deutschland stellt dazu 2009 fest:

Vögel der Agrarlandschaft
Die Bestandssituation der Vogelarten der Agrarlandschaft ist weiterhin kritisch. Die meisten Vogelarten, die auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, gehen wegen der hohen Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung weiter im Bestand zurück. Hinzu kommt, dass wegen des Wegfalls der EU-Pflichtstilllegungen, des deutlich gesteigerten Energiepflanzen-Anbaus (vor allem Mais) und des verstärkten Grünlandumbruchs in naher Zukunft eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung der Situation zu erwarten ist.

Auch weitere Biotope zeigen teilweise verschlechterte Lebensbedingungen: zunächst die Siedlungen, dann die Binnengewässer sowie Küsten und Meere, die Wälder, Alpen und weitere Gebirge: kaum eine Region bleibt vom schädlichen Einfluß des Menschen verschont. Weiter verschärft wird die Situation durch vorsätzliche Verfolgungen: Jäger schießen einfach aus Spaß auf Vögel (besonders Greifvögel) oder unter einem Vorwand, sich selbst oder Bauern vor Schäden zu bewahren, Angler verfolgen ihre gefiederten Konkurrenten (Kormorane, Reiher), "Vogelliebhaber" fangen Singvögel, um sie in Käfigen zu halten. Schließlich sind viele Vogelarten Zugvögel, die auf intakte Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie Rastplätze auf ihren Zugrouten angewiesen sind und folglich zusätzlich in weiteren Ländern gefährdet sind, wo der Vogelschutz oft weniger ernst genommen wird: Erschreckende Berichte und Fotos präsentiert fortlaufend das Nach außerhalb dieser Website Komitee gegen den Vogelmord.

Trotz der zu beklagenden Verluste unter Arten und Populationen gibt es mittlerweile nicht wenige "Neubürger", die durch den Menschen in die Natur gelangt sind und sich teilweise schon erfolgreich fortpflanzen. Die Vögel in Deutschland stellt dazu fest: "Insgesamt wurden in Deutschland bisher mindestens 350 gebietsfremde Vogelarten im Freiland nachgewiesen. Fast zwei Drittel davon gehören nur vier Gruppen an, den Entenartigen mit 86 Arten (25 %), den Hühnervögeln mit 20 Arten (6 %), den Papageien mit 42 Arten (12 %) und wenigen Singvogelfamilien (v. a. Tangaren, Prachtfinken) mit 75 Arten (21 %)."

Weltweit ist die Situation der Vögel nicht weniger prekär: Dank ihrer Flug- und Anpassungsfähigkeit konnten sie alle Klimazonen der Erde besiedeln und erfolgreich behaupten. Verletzlich sind endemische Insel-Arten im Anthropozän (dem Zeitalter des Menschen) vor allem dann, wenn sie nur kleine Populationen aufweisen oder/und aufgrund mangelnden "Feinddrucks" ihre Flugfähigkeit verloren haben: Biotopzerstörungen durch den Menschen oder durch Naturkatastrophen können eine Art mit sehr begrenzter Verbreitung schnell so sehr dezimieren, daß sie sich ohne Hilfe nicht mehr erholen kann, und vor allem flugunfähige Arten sind den "treuesten Begleitern" des Menschen, den Ratten also und auch Hauskatzen und Füchsen, hilflos ausgeliefert.

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