Ernährung

Wenn eine Wespe auf Nahrungssuche fliegt, so sammelt sie entweder für sich selbst oder für ihren Nachwuchs bzw. den der Königin. Genau davon hängen die Nahrungsquellen ab:

Hornissen (Vespa crabro) jagen 22 Stunden am Tag, also selbst bei Dunkelheit. Dieses Exemplar hat eine Schwebfliege erbeutet, der es zunächst Kopf und Gliedmaßen abbeißt.
Für Pflege und Versorgung einer Königinnen-Larve sind drei Arbeiterinnen nötig.
Hornissen sind trotz ihrer Größe viel friedlicher als manche anderen, kleineren Faltenwespen und aufgrund ihrer Gefährdung gesetzlich geschützt.
Foto: H. Sang
  Hornisse mit erbeuteter Schwebfliege

Erwachsene Wespen (Imagines) ...

... decken ihren Energiebedarf in erster Linie mit Nektar; Pollen, Pflanzensäfte und tierische Stoffe spielen eine untergeordnete Rolle:

  1. Nektar: Die Blütenbesuche dienen exakt demselben Zweck wie die unserer Wildbienen: der Aufnahme von Kohlenhydraten. Im Vergleich zu den Mandibeln der Bienen sind die Mundwerkzeuge der Wespen aber ursprünglicher bzw. weniger spezialisiert, und das heißt: kürzer und somit nur für einfache Blüten mit leicht erreichbaren Nektarien optimal geeignet. Typische Pflanzen mit "Wespenblüten" sind z. B.: Braunwurz (Srophularia nodosa), Zweiblatt (Listera ovata), Sumpfwurz (Epipactis spec.), einige Doldengewächse (Apiaceae), Thymia (Thymus serpyllum), Faulbaum (Frangula alnus), Efeu (Hedera helix) etc. Nektar aus tiefen Blüten ist für Wespen nur erreichbar, wenn sie einen direkten Zugang durch Löcher an der Basis der Blütenblätter finden, wie sie von manchen kurzrüsseligen Hummeln gebissen werden.
        Nektar produzieren manche Pflanzen zudem auch außerhalb ihrer Blüten bzw. ohne Blüten, was erklärt, warum Wespen (ebenso wie andere Insekten) auch die Nektardrüsen an den Blattstielen und Stengeln etwa des Gewöhnlichen Schneeballs (Viburnum opulus), der Süßkirsche (Prunus avium), der Zaunwicke (Vicia sepium) oder des Adlerfarns (Pteridium aquilinum) anfliegen.
  2. Pollen: Anders als die sammelnden Bienen-Arten haben Wespen in der Regel keine Vorrichtungen zum Pollensammeln – in Deutschland verfügt nur die Honigwespe Colonites abbreviatus über Sammel- und Transportvorrichtungen (Kopfbehaarung, Fußkämme, Kropf) für Pollen. Daher bekommt man nie Wespen mit leuchtendgelben oder orangen "Höschen" oder Unterbäuchen zu Gesicht. Wespen nutzen also Pollen nur ausnahmsweise und tragen ihn nicht zur Versorgung der Königin und Schwestern ein. Dennoch bleibt beim Blütenbesuch in den Haaren gerade der uns vertrauten sozialen Arten genug Pollen hängen, um auch diese zu wichtigen Bestäubern zu machen.
  3. Pflanzensäfte: Aus verletzter Rinde austretende Säft werden ebenfalls gerne aufgenommen. Wespenarten mit kräftigen Kiefern wie die Hornisse (Vespa crabro) können einem Baum solche Verletzungen auch vorsätzlich, beibringen um an den Saft zu gelangen.
  4. Tierische Stoffe: Eine weitere Kohlenhydratquelle ist für Ameisen wie für Wespen der "Honigtau", womit die süßen Ausscheidungen der Blattläuse gemeint sind. Ebenso werden zur Proteingewinnung Körpersäfte und Fleisch verwesender Tierkadaver aufgenommen. Zikadenwespen (Familie Dryinidae) ernähren sich ausschließlich von den Körpersäften von Kleinzikaden. Der unter Imkern bekannte Bienenwolf (Philanthus triangulum, eine solitär lebende Grabwespe) nutzen gefangene Bienen auch zur Eigenversorgung, indem sie diese verletzen und die austretende Körperflüssigkeit aufnehmen.

Die Larven ...

... fast aller Wespen werden mit tierischen Proteinen aufgezogen; in Deutschland macht nur die schon erwähnte Honigwespe (Colonites abbreviatus) eine Ausnahme. Das Beutespektrum ist in der Regel weit, nur ganz wenige Wespenarten sind auf nur eine oder zwei Arten spezialisiert, nämlich der Bienenwolf (Philanthus triangulum) stark auf die Honigbiene und einige wenige sozialparasitierende Faltenwespen auf einige eng verwandte Arten. Vier Strategien der Larvenversorgung lassen sich beobachten:

  1. Beute & Ei: Die Einsiedler-Wespen tragen zunächst Beute (Insekten, Spinnen) in eine – in der Regel schon vorhandene bzw. vorbereitete – Brutzelle ein, legen ein Ei daran und verschließen dann die Zelle; die geschlüpfte Larve ernährt sich selbständig von dem Fleischvorrat.
  2. Larve & Beute: Soziale Wespen legen in ihre Waben erst Eier; sobald die Larven geschlüpft sind, werden sie mit der zerkauten Muskulatur der Beutetiere gefüttert.
  3. Beuteraub: Eine besondere Form der Nahrungsbeschaffung nach Typ 1) und 2) stellt ihr Raub dar: solitäre wie soziale Wespen berauben Artgenossinnen oder verwandte Arten, um sich die Mühe der Jagd zu ersparen und so den Fortpflanzungserfolg zu erhöhen. (Dies könnte in der Wespenevolution der erste Schritt zur Entwicklung der Kuckuckswespen gewesen sein.)
  4. Sozialparasitismus: Einige Arten der sozialen Faltenwespen (Sulcopolistes atrimandibularis, Dolichovespula adulterina, D. omissa, Vespula austriaca) dringen ins Nest einer verwandten sozialen Wespenart ein, töten – wenn sie diesen Angriff unbeschadet überstehen – die Königin und lassen die eigenen Larven von den Arbeiterinnen der parasitierten Art versorgen. Solche Kuckucks- bzw. Schmarotzerwespen gehen also wie Kuckuckshummeln vor und bringen wie diese keine eigenen Arbeiterinnen, sondern nur Königinnen und Männchen hervor.

Jagdtechniken


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