Acrididae > Oedipodinae – Ödlandschrecken
Ödlandschrecken sind typische Kurzfühlerschrecken trockenwarmer Kahl- und Ödlandflächen mit sehr spärlicher Vegetation, also etwa Dünen und Flugsandfelder, Sandgruben, Kiesflächen, Trockenrasen, Heidegebiete. Die Tiere, vor allem die Weibchen, werden je nach Art (Oedipoda caerulescens, O. germanica) ca. 3 cm lang und sind ruhend kaum zu erkennen, da ihre helle bis dunkle, gräuliche, gelbliche oder rötlichbrune Tarnfärbung offenbar in Abhängigkeit von dem Untergrund entsteht, auf dem sich diese hemimetabolen Insekten entwickeln. Auch akustisch sind diese Springschrecken wenig auffällig, obwohl sie durchaus stridulieren können: Dafür ist eine Flügelader mit Zähnchen und die Gegenseite mit einer scharfen Kante ausgestattet.
Auffällig werden Ödlandschrecken allerdings dann, wenn sie, von einer vermeintlichen Gefahr aufgeschrecht, plötzlich auffliegen und in einem kurzen Flug die hellblaue (O. caerulescens) bzw. rote Färbung (O. germanica) ihrer durchscheinenden Hinterflügel zeigen, die man ansonsten nur bei gefangenen (bzw. präparierten) Tieren zwischen Hinterleib und der äußeren, dunklen Querbinde zu sehen bekommt. Da die kurze Flucht ebenso abrupt endet, wie sie begann, ist das farbenprächtige Spektakel geeignet, einen Beutegreifer zu verwirren und den neuen Standort seiner möglichen Beute zu verschleiern. Diese Strategie hilft den Ödlandschrecken allerdings nicht gegen die Zerstörung ihrer Habitate: Während Oedipoda caerulescens bundesweit "nur" in der Vorwarnliste verzeichnet ist, findet sich Oedipoda germanica bereits in Kategorie 1 der Roten Liste der Heuschrecken: Vom Aussterben bedroht.
Gattung Aiolopus Fieber 1853
Aiolopus thalassinus (Fabricius 1781) – "Grüne Strandschrecke"
Aiolopus thalassinus ähnelt äußerlich mehr den Grashüpfern (Unterfamilie Gomphocerinae) als anderen Ödlandschrecken, sein Halsschild besitzt aber keine Seitenkiele, und die Stridulationsorgane entsprechen denen der Oedipodinae. Die Flügel sind lang, das Flugvermögen ist gut, die Grundfärbung meist grün, in manchen Populationen aber nur braun-schwarz. GL ♂ 15–20 mm, ♀ 21–30 mm. RL: 1.
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Die Grüne Strandschrecke (Aiolopus thalassinus) · Neusiedler See, 05.08.2005 |
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Gattung Oedipoda Latreille 1829
Oedipoda caerulescens (Linnaeus 1758) – "Blauflügelige Ödlandschrecke"
Artname: |
Oedipoda caerulescens (Linnaeus, 1758) |
Synonym: |
Oedipoda fasciata Fischer, 1853 |
Unterarten: |
Oedipoda caerulescens armoricana Sellier 1948, Oedipoda caerulescens caerulescens (Linnaeus 1758), Oedipoda caerulescens nigrothoracica Görtler 1948, Oedipoda caerulescens sulfurescens Saussure 1884. |
Volksmund: |
deutsch: "Blauflügeligen Ödlandschrecke" · |
Merkmale: |
W. 22–28 mm (20–29 mm), M. 1521 mm (1323 mm) lang; Thorax breit, lange und schmale Flügel, relativ kurze, kräftige Sprungbeine; Abdomen lang & schlank. Grundfarbe marmoriert und abhängig von der Bodenfärbung sehr variabel von blaugrau und beige über gelblich bis graubraun und rotbraun, wobei auch das Farbmuster variiert. |
Verbreitung: |
Von Norddeutschland, vereinzelt sogar Skandinavien, bis in den Mittelmeerraum, nach Süden hin zunehmend; nicht auf den Britischen Inseln, aber in Nordafrika und östlich weit nach Asien. Die "Blauflügeligen Ödlandschrecke" hat von allen Oedipoda-Arten in Europa die weiteste Verbreitung. |
Lebensraum: |
Ödlandflächen mit spärlicher Vegetation wie Sand- & Kiesflächen bzw. -gruben, Dünen und Flugsandfelder, Trockenrasen, Heidegebiete, Kalkgebiete, Steinbrüche etc. |
Fortpflanzung: |
Das Weibchen legt seine Eier in nackte, trockene Erde, indem es mit dem Ovipositor (Eiablageapparat im Hinterleib) tief in den Boden eindringt. Die Eier überwintern, die Nymphen schlüpfen im Frühjahr des folgenden Jahres. Die Entwicklung der Männchen verläuft über vier, die der Weibchen hingegen über fünf Häutungsstadien, wobei von einer Häutung zur nächsten eine farbliche Angleichung an die Färbung des Untergrundes zu beobachten ist. |
Beutegreifer: |
Reptilien, Vögel. |
Nahrung: |
Grasarten. |
Flugzeit: |
1 Generation im Jahr (univoltin). |
Rote Liste: |
Kategorie V: Vorwarnliste |
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Die Ödlandschrecke Oedipoda caerulescens · Solingen, NSG Ohligser Heide, 29.07.2020 |
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Die "Blauflügelige Ödlandschrecke" ist, wie die deutschen Gattungsbezeichnung andeutet, eine Charakterart des "Ödlandes", womit ganz anthropozentrisch ein "ödes", also von Menschen 'verlassenes, unbewohntes, leeres' Terrain gemeint ist, das weder bebaut noch forst- oder landwirtschaftlich genutzt wird oder werden kann. In dem Maße, in dem solche Gebiete vom Menschen genutzt und somit vernichtet werden, verschwinden auch unsere Ödlandschrecken; noch steht Oedipoda caerulescens zum Glück "nur" in der Vorwarnliste der Roten Liste der Heuschrecken.
Begegnungen mit dieser Art verlaufen meist überraschend: In einem von Ödlandschrecken bewohnten Habitat sieht man die gut getarnten Tiere zunächst nicht; sobald man aber einem Exemplar zu nahe kommt, fliegt es plötzlich auf und läßt in einem nur kurzen Flug seine hellblauen Hinterflügel aufblitzen. Nur wer genau hinschaut, kann dann den Landeplatz ordnen, wo sich das Tier sofort mit seinem Kopf in die Richtung dreht, aus der es gekommen ist. Vor allem die bunten Hinterflügel sind ein für Oedipoda sicheres Erkennungsmerkmal: Ein vergleichbares Fluchtverhalten zeigen nämlich auch andere Heuschreckenarten und auch Sandlaufkäfer (Gattung Cicindela).
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Tarnfarben: die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) · SG, Ohligser Heide, 09.08.2013 |
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Oedipoda caerulescens einmal ungetarnt · Ohligser Heide, 05.08.2014 |
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Oedipoda caerulescens · Solingen, NSG Ohligser Heide, 05.08.2016 |
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Oedipoda caerulescens mit Grüntönen wie in der Umgebung · Westruper Heide, 22.08.2017 |
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Gut getarnt auf Sand: Oedipoda caerulescens · NSG Mainzer Sand, 07.07.2019 |
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Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) · Haan, NSG Grube 10, 29.07.2020 ↑↓ |
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Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) · Haan, NSG Grube 10, 29.07.2020 ↑↓ |
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Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) · Haan, NSG Grube 10, 29.07.2020 ↑↓ |
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Oedipoda caerulescens einmal ungetarnt · Ohligser Heide, 29.07.2021 |
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Ödlandschrecke Oedipoda caerulescens  |
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O. caerulescens · Ohligser Heide, 29.07.2021 |
Gattung Stethophyma Fischer 1853
Stethophyma grossum (Linnaeus 1758) – "Sumpfschrecke"
Die Sumpfschrecke ist, wie der deutsche Trivialname anzeigt, ein Bewohner von Feuchtgebieten. Stethophyma grossum ähnelt den Grashüpfern, zählt aber zu den Ödlandschrecken (Oedipodinae). Imagines sind bis 35 mm lang, die Färbung ist meist olivgrün bis braun und kann sehr variieren. Die Vorderflügel haben am vorderen Unterrand einen gelben Streifen, die Hinterschenkel sind unterseits rot-orange, die Hinterknie meist auffällig schwarz. Die Hinterschienen tragen eine Reihe schwarzer Dornen. Charakteristisch sind die lauten Knipslaute.
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